Ein Wandertag am Königssee im Berchtesgadener Land

Eine Wanderung im Rücken des großen Watzmanngebirges

Blaues Wasser und imposante Berge: Der Königssee im Nationalpark Berchtesgaden ist einer der bekanntesten Wanderdestinationen in Deutschland. Wir zeigen euch eine tolle Rundwanderung auf der Halbinsel Hirschau, die einige Naturhighlights zu bieten hat.

Anreise und Parkplätze

Wer mit dem PKW anreist folgt einfach der Beschilderung Richtung Königssee/ Jennerbahn bzw. Schönau.  Direkt vor der Tourist-Information gibt es einen riesigen Parkplatz. Zum Bezahlen unseres Parktickets haben wir die kostenlose Parkster-App genutzt.  Der Vorteil dabei: Man kann bequem von unterwegs die Parkzeit verlängern oder hat einen Überbezahlschutz. Wenn ihr eine Gästekarte besitzt, bekommt ihr nach Eingabe eurer Gästekartennummer noch einen kleinen Rabatt auf das Parkticket. Alternativ könnt ihr auch mit Münzgeld bezahlen. Ein Geldwechselautomat steht dafür zur Verfügung. Kartenzahlung ist bei vielen Automaten nicht möglich. Wir empfehlen sowieso Bargeld mitzuführen, da viele Almen keine Kartenlesegeräte haben. Außerdem freuen sich die Sennerinnen immer über ein kleines Trinkgeld. Natürlich könnt ihr auch mit den öffentlichen Verkehrsmittel anreisen. Vom Berchtesgadener Hauptbahnhof beispielsweise fahren regelmäßig Busse in Richtung Königssee.

Mit dem Boot nach St. Bartholomä

Nach einem kurzen Fußmarsch vom Parkplatz stehen wir schon an der Anlegestelle der Königssee Schifffahrt. Hier findet ebenfalls der Ticketverkauf statt. Wer lange Warteschlangen vermeiden will, kann auch sein Ticket online erwerben. Mit einem der neunzehn Elektroboote der Königssee Flotte geht es von “Königssee Seelände” bis zur Station “St. Bartholomä”.
Unser Tipp: Nehmt am besten eines der ersten Boote, denn diese sind noch nicht so überfüllt. Denn trotz Corona und der damit einhergehenden FFP2-Maskenpflicht werden die Boote bis auf den letzten Platz gefüllt. Achtet hierbei unbedingt auf die saisonal unterschiedlichen Fahrpläne und die allerletzte Fahrt Richtung Königssee Seelände. Denn wer diese verpasst, hat zwei Möglichkeiten: Entweder den Weg zu Fuß bewältigen oder die Bergwacht anrufen und Kosten in Höhe von mehreren hundert Euro in Kauf nehmen. Während der ca. 30-minütigen Überfahrt versorgt euch das nette und humorvolle Personal mit interessanten Fakten zum insgesamt 8 km langen und an der tiefsten Stelle ca. 200 m tiefen See als auch zu den Bergen rundherum. An der berühmten Echowand erwartet euch dann noch ein besonderes Highlight: Das Schiff hält an und einer der Mitarbeiter spielt mit der Trompete kurze Melodien in Richtung Echowand, die dann wunderbar klingend widerhallen. Ein eindrucksvolles Spektakel!

Die Rundwanderung um die Halbinsel Hirschau

Der Eiskapellenweg

Bei der Station St. Bartholomä auf der Halbinsel Hirschau steigen wir aus. St. Bartholomä heißt die Wallfahrtskirche mit den zwei markanten roten jedoch unterschiedlich geformten Türmen. Leider fanden im Juni 2021 in und um die Kirche Bauarbeiten statt, sodass wir diese nicht besichtigen konnten. Aber allein der Anblick von außen macht schon etwas her. Kein Wunder, dass sie eines der berühmtesten Postkartenmotive der Berchtesgadener Alpen ist. Direkt neben der Kirche findet man eine Gastronomie mit großem Biergarten, welche bis 1912 als Jagdschloss diente, als auch eine Fischräucherei. Beide Wirte warten mit köstlichen bayerischen Schmankerln auf euren Besuch.

Wir verlassen die Menschenmassen, die sich bereits um die Kirche und in der Außengastronomie tummeln, und wandern los in Richtung Watzmann Ostwand. Der Eiskapellenweg führt zunächst durch einen schattigen Wald, der alle paar Meter von Bänken gesäumt wird. Hier begegnen wir einer neugierigen Ringelnatter, die sich durchs Unterholz schlängelt. Nach ca. 1 km erreichen wir den Eisgraben, einen rauschenden Bach, den wir weiter flussaufwärts bis zu einer Brücke folgen, auf deren anderen Ende die kleine St. Johann und Paul Kapelle steht. Auch diese Kapelle blieb uns leider verschlossen und so müssen wir uns mit einem Blick durch die Türgitter begnügen. Von hier aus geht es dann steil und serpentinenartig weiter durch den schattigen Wald. Hat man ein paar Höhenmeter erklommen, lichtet sich der Wald und ein gelbes Infoschild des Nationalparks Berchtesgaden macht uns darauf aufmerksam, dass der befestigte Wanderweg endet. 

Also folgen wir den rot-weißen alpinen Wandersymbolen weiter durch ein Geröllfeld. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind hier ein absolutes Muss, um ein Umknicken zu vermeiden. Denn wer sich verletzt und nicht mehr in der Lage ist weiterzulaufen, kann erstmal eine Zeit lang warten, bis die Bergwacht vorbeikommt und einen medizinisch versorgt. Außerdem wird noch vor Steinschlägen gewarnt, mit denen man im alpinen Gelände ohnehin immer rechnen muss. Also Augen und Ohren auf! Immer weiter folgen wir dem Bach entlang und müssen diesen schließlich überqueren, um zur Eiskapelle zu gelangen. Eine Brücke oder einen Steg gibt es nicht, daher sind wasserdichte Schuhe ebenfalls sehr zu empfehlen. An einer etwas flacheren Stelle versuchen wir möglichst trockenen Fußes durch den Bach auf die andere Seite zu kommen. Von weitem sieht man auch schon das Eisfeld, das in den Wintermonaten eine meterhohe Höhle bildet: die Eiskapelle. Es ist das tiefst-gelegene permanente Eisfeld der Deutschen Alpen. Im Sommer ist dieses Feld so stark geschmolzen, dass nur noch eine dünne Eis- uns Schneeschicht zu sehen ist, aus der das kalte Bergwasser herausquellt, genau zu den Füßen des Watzmanns. Trotz der nicht vorhandenen imposanten Höhle, die theoretisch begehbar ist, wovon in jedem Fall aber abgeraten wird, da die Eiskapelle jederzeit in sich zusammenfallen kann, sind wir dennoch überrascht, dass wir Mitte Juni auf gut 800m NHN auf Schnee und Eis stoßen. Es ist übrigens die perfekte Stelle, um die Wasserreserven aufzufüllen. Denn es gibt nichts Besseres, als sauberes und erfrischendes Bergwasser!

Der Schrainbachwasserfall

Nach einer kleinen Pause geht es für uns den gleichen Weg zurück bis zur Kapelle an der Brücke. Von hier aus laufen wir jedoch nicht zurück nach St. Bartholomä, sondern halten uns südlich Richtung Königsseeufer immer entlang des Eisgrabens. Am Ufer angekommen genießen wir erst einmal das herrlich blaue Wasser und den Blick auf das obere Ende des Königssees: Die Station Salet. Wir folgen den Schildern zur Schrainbachalmhütte. Der Weg führt zunächst mäßig und dann steil in Serpentinen den Berg hinauf, immer mit Blick auf den Königssee. Und dann nehmen wir ein Rauschen wahr. Wir haben den Schrainbachwasserfall erreicht. Eindrucksvoll rauschen hier hunderte Liter Wasser in die Tiefe, die schließlich im See münden. Über eine natürliche Steinbrücke gelangen wir auf die andere Seite des Wasserfalls. Hier ist äußerste Vorsicht geboten! Die von der Natur geschaffene Brücke ist sehr schmal und nicht mit einem Geländer befestigt.

Wir folgen dem gleichen Weg wieder zurück bis zum Königssee und nehmen dann einen schmalen Pfad zu unserer Anlegestelle St. Bartholomä. Unterwegs stoßen wir auf allerlei Blumen, die wir zuvor noch nicht gesehen haben, darunter Bayerischer Enzian. An der Anlegestelle angelangt, kommen wir nicht darum herum ein paar im Vergleich zum Festland sehr preisgünstige Postkarten für die Lieben daheim zu besorgen. Und zufällig führt der kleine Souvenirshop auch Wanderhüte, sodass Silas sich noch einen neuen Hut zulegt.

Wer noch ein bisschen Zeit hat, dem legen wir die Weiterfahrt nach Salet ans Herz. Denn bei der Mooskaser Saletalm am südlichsten Ende des Sees gibt es frische Kuhmilch als auch selbst gemachten Käse auf Bauernbrot. Ein absoluter Genuss! Eine grandiose Aussicht auf weidende Kühe sowie die sich im See spiegelnden Berge gibt es gratis mit dazu. Ein kurzer Abstecher zum Obersee ist ebenfalls zu empfehlen und nur wenige Gehminuten von der Alm entfernt.

Unser Fazit

Diese alpine Rundwanderung zu den Füßen der Watzmann Ostwand hat uns aus dem Staunen nicht mehr rausgebracht. Allein die Überfahrt über den Königssee mit den geräuschsarmen Elektrobooten ist schon ein besonderes Highlight. Naturschutz wird übrigens sehr groß im Nationalpark geschrieben und verschiedene Informationsschilder weisen auf die einzigartige Flora und Fauna hin. Naturphänomene wie die Eiskapelle oder der Schrainbachwasserfall haben uns wieder mal gezeigt, wie gewaltig die Natur ist. Faszination und Ehrfurcht gehen hier Hand in Hand. Darüber hinaus gibt es genügend Pausen- als auch Einkehrmöglichkeiten mit leckeren bayerischen Spezialitäten und regionalen Produkten. Rundum eine aussichtsreiche Rundwanderung in einer traumhaft schönen Landschaft! Wichtig: Es handelt sich hierbei um eine selbst geplante Tour. Vor Ort gibt es kein durchgängiges Wanderzeichen, das euch den Weg weist. Achtet auch auf die gelben Wegweiser.

Erlebnisfaktor
Kultur
Kulinarik
Respect Nature
Familienfreundlich
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Lesedauer: 8 Minuten

Annkatrin König
Annkatrin König
Tourist-Information in Schönau am Parkplatz Königssee


Seestraße 3
83471 Schönau am Königssee

Öffnungszeiten:
Mai - September
Mo.-So. 09.00-18.00 Uhr
auch an Feiertagen geöffnet

Schifffahrt Königssee


Seestraße 55
83471 Schönau am Königssee

Fahrpreise (Salet Hin- und Rückfahrt)
Kinder bis 5 Jahre: kostenfrei
Kinder 6 bis 17 Jahre: erhalten 50 % Ermäßigung
Erwachsene: 23 €

Fahrzeiten Sommer Hauptsaison
Erste Fahrt Königssee Seelände 08.00 Uhr
Letzte Fahrt Königssee Seelände 16.45 Uhr
Erste Fahrt Salet 08.55 Uhr
Letzte Fahrt Salet 17.40 Uhr