Ravennaschlucht Wanderfalke Wanderführer wandert

Wilde Ravennaschlucht und historisches Schwarzwalderbe

Der Heimatpfad Hochschwarzwald bei Hinterzarten

Der Rundwanderweg “Heimatpfad Hochschwarzwald” beginnt am Bahnhof Hinterzarten. Hier sind ausreichend Parkplätze vorhanden und man kann bequem mit der Höllentalbahn anreisen. Nur wenige Meter entfernt befindet sich das Kurhaus mit der Touristeninformation. Wer sich noch nicht mit Kartenmaterial für seine Wanderung im Hochschwarzwald ausgestattet hat, der wird hier fündig. Die Wanderkarten und Prospekte für viele Wanderungen gibt es hier kostenfrei und ebenso findest du hier sicher den geeigneten Gastgeber, falls du länger Urlaub machen möchtest.
Wir haben den 7,3 km langen Rundwanderweg im schneereichen Februar gewagt und können daher von einem märchenhaften Wintererlebnis berichten.

Tradition im Schwarzwald: wasserbetriebene Sägen und Kuckucksuhren

Von der Touristeninfo aus starten wir mitten durch die gemütliche Innenstadt entlang der Bahngleise. Später begleitet uns der rauschenden Rotbach auf dem Löffeltalweg ins Löffeltal. Nach wenigen Minuten entdecken wir die ersten Informationstafeln, welche die Geschichte der einstigen Schmieden und Mühlen im Löffeltal erzählen. Kurz danach stoßen wir auf die alte Klopfsäge, die von einem Wasserrad angetrieben wurde. Früher wurden hier Holzstämme verarbeitet, heute dient sie nur als Anschauungsobjekt. Dem Rauschen des Baches folgend geht es nun weiter bergab, vorbei an kleinen Wasserfällen,  zur Hochgangsäge. Wenig später lichtet sich der Wald und gibt den Blick auf die Ravennabrücke frei. Das Höllental war vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutender Transportweg. Das heutige Hofgut Sternen, das Zollhaus sowie die Glasbläserei erinnern noch heute an den regen Trubel und den Uhren- und Glashandel.
Hier rastete einst Johann Wolfgang von Goethe, nach welchem hier das Goethehaus benannt wurde. Sogar Marie-Antoinette reiste einst von Österreich bis nach Frankreich durch dieses zauberhafte Tal. Eine Kuckucksuhr darf an so einer Stelle im Schwarzwald natürlich auch nicht fehlen. In Hausgröße befindet sie sich direkt gegenüber der Glasbläserei und grüßt zu jeder vollen Stunde mit einem tiefen Kuckucksruf, wenn sie nicht gerade abgeschaltet ist (wie in unserem Fall).

Die beeindruckende Ravennabrücke

Gewaltig steht sie dann vor uns: die Ravennabrücke.
Die massiven Pfeiler der 36m hohen Brücke tragen die Last der Höllentalbahn, die täglich von Freiburg bis nach Donaueschingen verkehrt. Wir waren genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort: denn in dem Moment, als wir Fotos machten, überquerte die Höllentalbahn die Brücke. Neugierige Kinder schauten aus den Fenstern und winkten uns eifrig zu. Ein paar Buden zu Füßen des Viadukts sind Überbleibsel des einzigartigen Weihnachtsmarktes, der jedes Jahr tausende Besucher in die Schlucht lockt. Um noch einen besseren Blick auf diese imposante Bahnbrücke zu bekommen, steigen wir ein paar Meter hinauf zu einer Schutzhütte. Von hier bekommt man die Brücke fast komplett ohne Weitwinkelobjektiv auf das Foto. 

Die Ravennabrücke wie man sie heute kennt wurde 1947/1948 wieder aufgebaut. Hintergrund dafür sind die Reparationszahlungen an die Französischen Alliierten aus dem 2. Weltkrieg. Als Zahlungsmittel nahm man das gute Holz aus dem Schwarzwald an, doch für den Abtransport dieser Holzmassen benötigte man eine Zugverbindung, die das 230m lange Tal überbrückt. Die Ravennabrücke stand hier schoneinmal ein paar Meter neben der heutigen Brücke, wurde jedoch durch die deutschen Truppen selbst gesprengt. Heute überwindet die Höllentalbahn auf ihren 224 Metern des Ravennaviadukts auch gleichzeitig 12 Höhenmeter. Eine wahrlich beeindruckendes Bauwerk für seine Zeit.

Ab durch die wilde Ravennaschlucht

Wir gehen unter der Brücke hindurch und vorbei an einem Teich. Es wird nun merklich dunkler und kühler, denn am späten Nachmittag verirrt sich kaum ein Sonnenstrahl in das Tal. Der Weg führt ab hier immer wieder auf von Schnee und Eis bedeckten Holzbrücken über den Ravennabach. Der Boden wird immer eisiger und riesige Eiszapfen hängen bedrohlich von den Felsmassiven hinunter. Jetzt bloß nicht ausrutschen!
Bereits nach ca. 800 Metern, nachdem wir das Viadukt passieren, erreichen wir den großen Ravenna-Wasserfall. Wir steigen eine Leitertreppe hinauf und folgen weiter der Schlucht, bis wir nach weiteren 500 Metern die Großjockenmühle aus dem Jahre 1883 finden. Das Mühlwerk ist noch funktionstüchtig, aber nur selten im Einsatz (hauptsächlich zu Vorführungszwecken). Hier gibt es auch mehrere Bänke und Tische, die zum längeren Verweilen einladen. Die Schneemassen um uns herum werden immer mehr und wir bahnen uns unseren Weg über umgestürzte Baumstämme bis wir den ehemaligen Standort der Löffelschmiede erreichen.
Kurz darauf haben wir es dann geschafft. Das Ende der Schlucht ist erreicht. Wir folgen der asphaltieren Straße weiter und kommen am Sportinternat Hinterzarten vorbei. Den letzten Kilometer geht es über einen Wiesenpfad zurück bis wir wieder an den Gleisen entlang das Herz von Hinterzarten erreichen. 

Wer schon einmal in dem beliebten Urlaubsort ist, sollte sich diese Highlights nicht entgehen lassen: das Schwarzwälder Skimuseum und die Adler Skisprungschanzen.

Unser Fazit
Dieser Rundwanderweg steckt voller Geschichte und erweckt den damals beschwerlichen Alltag im Schwarzwald zum Leben. Zudem zeigt der Weg, wie abhängig die Menschen damals von der Natur waren und es bis heute sind. Beeindruckend war neben dem Ravennaviadukt die wilde Ravennaschlucht in ihrem eisigen Element und der spannenden Wegeführung über Brücken, Treppen und Leitern hinweg. Sicher ist diese Wanderung auch im Sommer einen Ausflug wert.
Erlebnisfaktor
Kultur
Kulinarik
Respect Nature
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Dieser Rundwanderweg steckt voller Geschichte und erweckt den damals beschwerlichen Alltag im Schwarzwald zum Leben. Zudem zeigt der Weg, wie abhängig die Menschen damals von der Natur waren und es bis heute sind. Beeindruckend war neben dem Ravennaviadukt die wilde Ravennaschlucht in ihrem eisigen Element und der spannenden Wegeführung über Brücken, Treppen und Leitern hinweg.
Sicher ist diese Wanderung auch im Sommer einen Ausflug wert.

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Kultur
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